Perlen und ihre Vielfalt: Entstehung, Perlenarten und Perlenzucht

Perlen gehören zu den Edelsteinen. Ihre Vielfalt ist groß. Die runden oder auch barock geformten Perlen wachsen über lange Zeiträume in Muscheln heran. Die kulturelle Bedeutung der Perle ist in vielen Kulturen groß. Sie steht für Jungfräulichkeit, für Weisheit und Würde, für Reichtum und Glück und für Kindersegen. Bei den alten Griechen und Römern hieß die Perle „margarita“, was auch die Bezeichnung der Geliebten war. Perlen wachsen sowohl in Süßwasser- als auch in Salzwassermuscheln heran. Das Züchten von Perlen ist bis heute eine komplizierte Angelegenheit geblieben. Der irisierende Glanz einer Perle wird Lüster genannt. Perlenschmuck kann so vielfältig sein, wie es Perlen selbst sind. Perlen können üppig und in großer Zahl verarbeitet werden oder als Solitär die Blicke auf sich ziehen.

Wie entstehen Perlen?

Perlen hatten in vielen vergangenen Epochen und Kulturen eine hohe kulturelle Bedeutung. Bis heute werden Perlen als Schmuckstücke hoch geschätzt. Doch wie entstehen die kleinen Wunderwerke der Natur überhaupt? Lange Zeit ging man davon aus, dass die kugelförmigen oder auch birnenförmigen Gebilde aus Perlmutt eine Laune der Natur und Fehlbildung in der Muschel sind, die durch das Eindringen eines Fremdkörpers, beispielsweise eines Sandkornes, verursacht werden. Schalenweichtiere wie Muscheln oder Schnecken umschließen einen solchen Fremdkörper über einen langen Zeitraum mit Perlmutt erschichten und isolieren ihn somit vom eigenen Organismus. Heute ist die Wissenschaft weitgehend von dieser Meinung abgerückt. Das Eindringen eines kleinen Fremdkörpers dürfte nach neuster Lehrmeinung einer Muschel keinerlei Schwierigkeiten verursachen. Bei der Züchtung von Perlen bedient man sich jedoch nach wie vor der Methode, Perlen mit einem Fremdkörper zu “impfen”. Gemmologen, also Edelsteinkundler, gehen heute davon aus, dass die Perlbildung die Folge einer tieferen Verletzung des Mantelgewebes einer Muschel ist. Diese können beispielsweise durch Parasiten verursacht werden. Es bilden sich Zysten, die dann tatsächlich durch die langfristige Ablagerung verschiedener Schichten aus Perlmutt nach und nach vom Mantelgewebe abgeschieden werden. Perlen zählen übrigens zu den Edelsteinen. Sie bestehen aus Kaliumkarbonat, einer Kalkverbindung aus Calcium, Sauerstoff und Kohlenstoff. Die kristalline Struktur diese Verbindung verleiht den Perlen ihre Härte und ihren einmaligen Glanz.

Welche Perlen gibt es?

Perlen können sehr vielfältig und ganz unterschiedlich sein. Das betrifft ihre Form, Größe, Farbe und weitere Eigenschaften wie beispielsweise Oberflächenqualität und Lüster. Gerade die zuletzt genannten Eigenschaften sind für Perlen als wertvolle Schmuckstücke von großem Belang. Lüster etwa ist der irisierend Glanz, der nur Perlen zu eigen ist. Perlen werden vor allem nach ihrer Herkunft unterschieden. So gibt es Süßwasserperlen aus Flüssen und Seen und Meerwasserperlen aus tropischen und subtropischen Gewässern. Die ohne menschliches Zutun entstandenen Perlen werden auch Naturperlen genannt. Daneben gibt es die Zuchtperlen, die durch das künstliche Einbringen eines Perlenkernes heranwachsen. Die meisten Schmuckperlen stammen heute aus Züchtungen. Auch hier gibt es sowohl Süßwasser- als auch Meerwasserperlen. Natürlich verwendet die Schmuckindustrie auch künstliche Perlen, die an dieser Stelle aber weitgehend vernachlässigt werden sollen. Die bekanntesten künstlichen Perlen sind die Bourgignon- oder Pariser Perlen und die Majorica-Perlen aus Mallorca, die einst ein Aachener Nadelfabrikant als Imitat von Naturperlen erfand. Die bedeutendste Varietät an Süßwasserperlen ist die sogenannte Biwa-Perle, benannt nach dem größten See Japans. Diese kernlosen Perlen in ganz unterschiedlichen Farben kommen heute aus vielen Gebieten Asiens und vor allem aus China. Bei Meerwasserperlen werden weit mehr Varietäten unterschieden. Das sind die Südsee-, Tahiti- und Akoya-Perlen sowie die winzigen Keshi-Perlen, die als Nebenprodukt auf nahezu natürliche Weise in großen Akoya-, Tahiti- oder Südsee-Muscheln entstehen. Keshi bedeutet Mohnsamen. Unregelmäßig geformte Perlen nennt man übrigens Barockperlen. Eine eigene Kategorie an Perlen sind die Flussperlen aus Flüssen und Bächen nördlich der Alpen, die man sie mit Glück auch in Tirol oder im Allgäu finden kann.

Seit wann werden Perlen gezüchtet?

Der größte Teil der in der Schmuckindustrie verwendeten Perlen stammt heute aus Züchtungen in Muschelbänken. Der größte Durchbruch in der Perlenzucht gelang nach 1900. Der deutsche Psychologe und Zoologe Friedrich Wilhelm Alverdes wies 1913 nach, dass durch die Verlagerung von Drüsengewebe in das Bindegewebe von Muscheln Perlen entstehen. Der von Perlen begeisterte Japaner Kokichi Mikimoto hatte bereits im Jahr 1888 eine erste Perlenzuchtfarm eröffnet. Um 1920 gelang es ihm, die ersten, perfekt runden Perlen auf den Markt zu bringen. Seine Methode der Perlenzucht ging wahrscheinlich auf zwei andere Japaner zurück, die ihrerseits dieses Verfahren von einem Australier namens Willian Saville-Kent übernommen hatten. Die Perlenzucht ist jedoch viel älter. Bereits im fünften Jahrhundert nach Christus wurden in China sogenannte Buddha-Perlen gezüchtet. Dafür wurden in Süßwassermuscheln kleine Buddhafiguren aus Gips, Elfenbein oder auch Blei eingebracht, die dann über einen langen Zeitraum von Perlmutt überzogen wurden. Diese “Perlen” galten als heilig und waren sehr wertvoll. Der berühmte schwedische Naturwissenschaftler und Zoologe Carl von Linné war ebenfalls ein Pionier der Perlenzucht. Im Jahr 1758 gelang es ihm mit Hilfe eines gebogenen Silberdrahtes einen Gipskern in eine Süßwassermuschel einzubringen. Auf diese Weise gelang es ihm, eine runde Perle zu züchten. Er verwendete dafür Malermuscheln, die auch hierzulande in Flüssen und Seen verbreitet sind. Er ließ sich das Verfahren patentieren und verkaufte es später. Praktische Anwendung fand es jedoch nie und geriet so mit der Zeit wieder in Vergessenheit. Neben der Malermuschel sind übrigens nur sehr wenige von den weltweit 10.000 Muschelarten für die Züchtung von Schmuckperlen geeignet.

Süßwasserzuchtperlen

Bei der Zucht von Süßwasserperlen wird in der Regel anders vorgegangen als bei Meerwasserzuchtperlen. Sie werden nicht mit einer Anzahl von Fremdzellen “geimpft”. Stattdessen werden Schnitte im Muschelgewebe vorgenommen, in die kleine Teile anderer Muscheln eingesetzt werden. Dieser Vorgang wird an einer Muschel bis zu 50 mal vorgenommen und entsprechend viele Perlen können heranreifen. Nach dem Eingriff werden die Muscheln ins Süßwasser gesetzt. Sie verbleiben in ihrem Lebensraum zwischen zwei und sechs Jahren. Süßwasserperlen haben wegen des fehlenden Zellkerns oftmals keine klar definierte Form und sind meist barock. Ihr Perlmutt ist aber durchaus qualitätvoll, leuchtend und besonders farbenfroh. Die Zucht von Süßwasserperlen ist nicht so kompliziert wie die von Meerwasserperlen. Die Sterberate von Süßwassermuscheln ist vergleichsweise gering und die Bedingungen im Süßwasser sind leichter zu beherrschen als im offenen Meer, wo die Elemente wüten. Der größte Produzent von Süßwasserperlen ist heute China. Inzwischen gelingt es auch, nahezu runde Perlen mit einem Durchmesser von mehr als zehn Millimetern zu züchten. Jüngere Zuchterfolge mit Nukleus bescherten sogar Exemplare bis zu 14 Millimetern. Süßwasserperlen werden meist als Biwa-Perlen gehandelt. Der Biwa-See ist der größte japanische See, in dem die Zucht von Süßwasserperlen ihren Anfang nahm. Diese schönen Perlen mit einem beeindruckenden Lüsterleuchten in verschiedenen Farben, angefangen von weiß, rosa oder lachsfarben bis hin zu burgunderrot und violett.

Südsee Zuchtperlen

Südseeperlen sind mit bis zu 20 Millimetern Durchmesser die größten Zuchtperlen überhaupt. Ihr Farbspektrum reicht von weiß über silberfarben bis hin zu Gold. Weiße Südseeperlen sind ein Klassiker und damit besonders beliebt und hochwertig. Südseeperlen werden in der Muschel Pinctada maxima herangezüchtet. Eine Muschel kann in einer Zeitspanne zwischen drei und sechs Jahren jeweils nur eine Perle hervorbringen. Nach der Entnahme der Perle kann eine Muschel allerdings erneut für eine Zucht implantiert werden. Nicht selten werden die Pinctada maxima nach der Zucht in die Freiheit entlassen, wo sie ihren genetischen Fingerabdruck weiter geben. Die größten Produzenten von Südseeperlen sind Australien, die Philippinen und Indonesien. Als Nebenprodukt können in Südseeperlen auch kleine Keshi-Perlen heranwachsen. Die Mohnsamenperlen haben die gleiche Farbe wie die “Hauptperle”. Sie werden ebenfalls zu schönem Perlenschmuck verarbeitet.

Tahiti Zuchtperlen

Tahiti-Zuchtperlen bieten eine große farbliche Vielfalt. Die prächtigen Perlen aus der Perlmuschel Pinctada margaritifera haben einen grauen, silberfarbenen oder schwarzen Grundton, der pinkfarben, violett, purpur oder auch grünlich und blau schimmert. Der farbliche Schimmer der Tahiti-Perlen wird Orient genannt. Am häufigsten sind die grün schimmernden Perlen namens “fly wing”, die pinkfarbenen und die purpurnen. Sehr selten und damit sehr wertvoll ist ein grün-pinkes Farbspiel, “Pfau” genannt, oder auch eine reines Purpur. Nach Europa gelangten diese exotischen Perlen erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts. Berühmt wurden sie durch Kaiserin Eugenie, der Gattin Napoleon III. Ihren Namen haben sie von der Südseeinsel Tahiti in Französisch-Polynesien. In einer Pinctada maragaritifera wächst innerhalb von fünf bis sechs Jahren jeweils nur eine Perle heran. Nach der Ernte können die Muscheln erneut implantiert werden oder in die Natur entlassen werden. Mit bis zu 16 Millimetern Durchmesser gehören Tahiti-Perlen zu den größten Perlen.

Muschelkernperlen

Muschelkernperlen sind eine günstige Alternative zu sogenannten echten Perlen. Sie werden aus dem natürlichen Perlmutt von Austernmuscheln hergestellt und wirken vollkommen authentisch. Das als Muschelkern bezeichnete Material ist eine sehr harte, organische Substanz, die in Austernmuscheln heranwächst. Aus diesem Muschelkern werden runde Kugeln geschliffen. Bis zur perfekten Perle folgen weitere Schritte. Das Perlmutt der Austernmuschel wird zunächst entnommen, zu einem feinen Pulver vermahlen und mit natürlichen Pigmenten angereichert. Sodann wird diese Substanz in einem sehr komplexen Prozess mittels Maschinen in mehreren Schichten auf die Kugel aus Muschelkern aufgetragen. Auf diese Weise entsteht auf der Kugel eine ganz gleichmäßige, tiefe und fein strukturierte Schicht aus Perlmutt. Eine fertige Muschelkernperle ist schließlich kaum von einer echten Perle zu unterscheiden. Durch den Zusatz der Farbpigmente haben Muschelkernperlen ein breites Farbspektrum. Muschelkernperlen sind ebenmäßig mit einer perfekten Form und natürlichen Ausstrahlung. Dabei sind sie wesentlich kostengünstiger als beispielsweise Südseeperlen oder Tahiti-Perlen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Zuchtperlen aus tropischen Gewässern mehrere Jahre brauchen, um heranzuwachsen. Dabei erreichen Zuchtperlen auch nur selten die Größe und das Ebenmaß von industriell hergestellten Muschelkernperlen. Perfekte Zuchtperlen sind zudem extrem teuer, Muschelkernperlen hingegen für jedermann erschwinglich.

Muschelkernperlen: authentische und attraktive Perlenimitate

Muschelkernperlen können in großen und besonders ebenmäßigen runden oder auch ovalen Formen hergestellt werden. Ihr Material ist nahezu identisch mit dem von echten Naturperlen und noch mehr mit dem von Zuchtperlen. Denn um das Wachstum von Zuchtperlen zu initiieren, wird in die Zuchtmuschel pulverisiertes Material von Perlen eingeimpft, um das herum sich dann erst die Zuchtperle bildet. Die Trageeigenschaften von Muschelkernperlen sind ebenfalls mit denen von echten Perlen vergleichbar. Aus Muschelkernperlen gibt es attraktive und durchaus authentisch wirkende Ketten, Ohrringe und weitere schöne Schmuckstücke. Bei Ketten aus Muschelkernperlen kann es aber gerade das Ebenmaß der einzelnen Perlen sein, dass das Imitat verrät.

Schmuckstücke aus Muschelkernperlen für den großen Auftritt

Schmuckstücke aus Muschelkernperlen werden nicht selten unter dem Namen Südsee Shellperlen oder Südsee-Muschelkernperlen vermarktet. Auf diese Weise wird eine “Echtheit” vorgetäuscht, die bei Muschelkernperlen nicht gegeben ist. Trotzdem sind Schmuckstücke aus Muschelkernperlen immer gut für den großen Auftritt und wer möchte dagegen etwas sagen. Gerade zu schlichten und figurbetonten Kleidern in dunklen Farben oder Naturtönen wirken Schmuckstücke aus Muschelkernperlen wie beispielsweise Ketten, Perlenohrringe oder ein Ring mit einer einzigen großen Perle bezaubernd und keineswegs billig, wenn sie handwerklich gut gearbeitet sind.

Akoya Zuchtperlen

Als Akoya-Zuchtperlen wurden ursprünglich Perlen bezeichnet, die in Japan in der Muschel Pinctada fucata martensii gezüchtet wurden. Trotz ihres japanischen Namens kommt die Akoya-Auster ursprünglich aus Indien, wo schon Mitte des 19. Jahrhunderts erste Versuche der Perlenzucht unternommen wurden. Die Akoya-Auster gelangte schließlich um 1900 nach Japan und um 1920 gelang es dem Japaner Kokichi Mikimoto erstmals, runde Zuchtperlen auf den Markt zu bringen. Der größte Akoya-Zuchtperlenproduzent ist inzwischen jedoch China noch vor Vietnam und Tahiti. Die Muschelart Pinctada fucatamartensii bildet wesentlich weniger Perlmutt als die Zuchtmuscheln für Perlen in der Südsee. Die Perlmuttschicht bei Akoya-Perlen ist somit auch sehr viel dünner als die von Südsee- oder Tahiti-Perlen. Akoya-Perlen entstehen auch in viel kürzeren Zeiträumen zwischen acht Monaten und zwei Jahren. Die Zucht der Akoyas ist trotzdem kein leichtes Unterfangen, da Taifune immer wieder die Muschelbänke der Perlfarmen zerstören können. Akoya-Perlen sind mit einem Durchmesser bis zu sechs Millimetern recht klein. Nur in jeder fünften Akoya-Auster wachsen Perlen heran. Der Anteil von Perlen mit Edelsteinqualität ist dabei gering. Die Form der Akoya-Perle ist gleichmäßig rund und die natürliche Farbe ist weiß oder auch cremefarben. Oftmals werden Akoya-Perlen jedoch nachbehandelt, sodass sie in einem breiten Farbspektrum erhältlich sind.