Deutschlands Goldreserven im Überblick

Goldbarren und Deutschlandfahne

In den deutschen Devisenreserven machen die Goldbestände den größten Teil aus. Unter den Ländern mit den größten Goldreserven belegte Deutschland im Jahr 2020 mit 3.362,4 Tonnen den zweiten Platz. Weltweit verfügen lediglich die Vereinigten Staaten von Amerika mit 8.133,5 Tonnen über noch größere Goldbestände als die Bundesrepublik. Diese enormen Mengen an Gold lagern allerdings nicht einfach nur im Tresor einer deutschen Bank, was in den letzten Jahrzehnten immer wieder für Kritik gesorgt hat.

Die Entwicklung der deutschen Goldbestände

Der sogenannte Goldstandard galt in Deutschland noch bis zum Ersten Weltkrieg. Der Wert der damaligen Währung basierte damit immer auf dem aktuellen Goldwert. Danach wurde die Währung des Landes durch dessen nationale Goldreserven gedeckt. Somit bestand zumindest in der Theorie immer die Möglichkeit, Banknoten in Gold zu tauschen. Die geltenden Wechselkurse wurden definiert, indem das Verhältnis der nationalen Währung zum Gold festgelegt worden ist. Im Zweiten Weltkrieg etablierte sich dann das Währungssystem von Bretton Woods, in dem Goldreserven überwiegend von Ländern mit Exportüberschüssen aufgebaut wurden und Staaten mit Leistungsbilanzüberschüssen, Länder mit Leistungsbilanzdefiziten Gold überschrieben. Das Bretton-Woods-System blieb bis in das Jahr 1973 bestehen.

Deutschland, das bis 1950 keine Goldreserven hatte, verfügte 1951 dann erstmals über einen Goldbestand von 24,5 Tonnen. Nur 17 Jahre später, im Jahr 1968 befanden sich 4.033,8 Tonnen Gold im Eigentum der Bundesbank und markieren damit den Höchststand der deutschen Goldreserven. Durch den Verkauf von 14 Millionen Unzen Gold sank der deutsche Goldbestand dann im Jahr 1969 auf 3.625,4 Tonnen.

Bis zum Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems im Jahr 1973 nahm der Goldbestand Deutschlands noch einmal leicht zu. Bis in das Jahr 1977 blieben die deutschen Bestände nahezu unverändert bei 3.658 Tonnen Gold.

Im Jahr 1999 leistete die Bundesbank den deutschen Anteil an die Währungsreserven der Europäischen Union (EU) und übertrug damit 6,5 Prozent ihrer physischen Goldreserven an die Europäische Zentralbank. Obwohl im Januar 2004 der Abbau der Goldreserven um 20 Prozent innerhalb der nächsten fünf Jahre erwogen wurde, sind die Goldreserven seither von 3.440 Tonnen auf heute 3.362,4 Tonnen nicht mehr stark gesunken. Zurückzuführen ist diese Entwicklung wohl auch darauf, dass sich Deutschland gemeinsam mit anderen europäischen Staaten 2009 im dritten Central Bank Gold Agreement verpflichtete, über einen fünfjährigen Zeitraum pro Jahr nicht mehr als 400 Tonnen Gold zu veräußern.

Die Lagerung deutscher Goldreserven

Goldbarren in einem Banktresor

Die Lagerung der deutschen Goldreserven war jahrelang hochumstritten. Aufgrund des Kalten Krieges entschied sich die Bundesbank 1968 dazu, das Gold, das sie in New York, London und Paris erhielt, nicht nach Deutschland zu holen. Daher wurden große Teile der deutschen Goldreserven bis 2013 in der Bank of England in London, in der Federal Reserve Bank in New York und in der Banque de France in Paris gelagert.

BankStadt1998
BundesbankFrankfurt119
Federal Reserve BankNew York1.537
Bank of EnglandLondon1.521
Banque de FranceParis374

Anfang der 2000er wurde bekannt, dass die Zentralbanken in London, New York und Paris den CDU-Bundestagsabgeordneten Marco Wanderwitz und Philipp Mißfelder verweigerten, die physischen Goldbestände der Bundesbank in Augenschein zu nehmen.

Die Bürgerinitiative “Holt unser Gold heim!”, die im Mai 2012 gegründet wurde, startete einen Aufruf zur Rückführung der Goldreserven nach Deutschland. Hinter diesem standen damals auch der frühere BDI-Chef Hans-Olaf-Henkel sowie der Bund der Steuerzahler Bayern e. V.. Unterschrieben wurde der Aufruf von 13.000 Menschen. Dies trug womöglich auch dazu bei, dass der Bundesrechnungshof am 22. Oktober 2012 einen Bericht an den Bundestags-Haushaltsausschuss veröffentlichte, in dem gefordert wurde, dass die im Ausland verwahrten Goldreserven regelmäßig einer Inventur unterzogen werden sollen. Infolge dessen erklärte die Bundesbank, jährlich 50 Tonnen der in New York lagernden Goldreserven nach Frankfurt holen, einschmelzen, auf deren Qualität prüfen und anschließend wieder in Barren gießen zu wollen.

Tatsächlich wurde im Jahr 2013 damit begonnen, die Goldreserven nach Deutschland zu verlagern. Anfangs wurde aufgrund der geringen Entfernung vor allem Gold aus Paris nach Frankfurt transportiert. Von den 2013 insgesamt verlagerten Goldreserven von knapp 35 Tonnen Gold stammten lediglich fünf Tonnen aus New York. Aus der Bank of England wurden bereits um die Jahrtausendwende rund 929 Tonnen Gold zur dauerhaften Einlagerung nach Frankfurt transportiert.

BankStadt2000200120132014201520162017
Federal Reserve BankNew York--58599111-
Bank of EnglandLondon661268-----
Banque de FranceParis--323511110591

Somit lagert heute der größte Teil der deutschen Goldreserven direkt in Deutschland. Den zweitgrößten Anteil hält die FED, während Frankreich seit 2017 keine deutschen Goldbestände mehr lagert.

BankStadtEnde 2019
BundesbankFrankfurt1.710
Federal Reserve BankNew York1.236
Bank of EnglandLondon420
Banque de FranceParis0

Der Wert der deutschen Goldreserven

Ende 2019 wurden weltweit 3.366 Tonnen an deutschen Goldreserven gelagert. Im Jahr 2020 wurden diese etwas minimiert und so verfügt Deutschland aktuell über 3.362,4 Tonnen Gold. Angesichts des 2020 stark gestiegenen Goldpreises ist damit natürlich auch der Wert der deutschen Goldreserven zumindest zeitweise angestiegen. Derzeit sinkt der Goldpreis wieder. Damit sind die gesamten Goldreserven Deutschlands zum aktuellen Zeitpunkt (Stand: 03.03.2021) rund 154.078.617.600 Euro beziehungsweise 186.055.041.600 US-Dollar wert.