Die STF-Ratio als Maß für die Inflationssicherheit eines Edelmetalls

Die Stock-to-Flow-Ratio ist ein wichtiger Wert, wenn es darum geht, die Knappheit eines Rohstoffs zu ermitteln. Sie findet nicht nur bei Edelmetallen, sondern etwa auch bei Verbrauchsgütern oder Kryptowährungen Anwendung. Gerade bei den Edelmetallen lässt sich anhand der Ratio aber erkennen, was Gold, Silber und Co. so besonders macht. Darüber hinaus zeigt das Verhältnis von Stock und Flow an, wie groß der Inflationsschutz des entsprechenden Edelmetalls ist.

Stock-to-Flow-Ratio: Was ist das?

Der „Stock“ bezeichnet den Lagerbestand eines Rohstoffes – in diesem Fall den Lagerbestand eines Edelmetalls. Der Lagerbestand meint letztendlich die potenziell auf dem Markt erhältlich Menge von Gold, Silber, Platin oder Palladium. Der „Flow“ hingegen steht für die Menge eines Edelmetalls, die jährlich zum Stock hinzukommt.

Der Zeitraum, den es bei der aktuellen Produktionsmenge (Flow) von Gold, Silber und Co. benötigen würde, bis der derzeitig vorhandene Lagerbestand (Stock) erreicht wird, wird „Stock-to-Flow-Ratio“ genannt.

Letztendlich beschreibt die Stock-to-Flow-Ratio die Knappheit eines Rohstoffs. Hier gilt: umso höher die Ratio, desto seltener das Gut und umso niedriger die Ratio, desto häufiger das Gut.

Gold

STF Ratio

Ende 2017 wurde die gesamte, jemals geförderte Goldmenge auf rund 190.000 Tonnen geschätzt. Gefördert werden jährlich rund 3.500 Tonnen Gold. Anhand dieser beiden Werte lässt sich errechnen, dass die Stock-to-Flow-Ratio für Gold rund 54 beträgt, was einer jährlichen Zunahme von 1,8 Prozent entspricht.

Gold wird seit Jahrzehnten in hohem Ausmaß gefördert. Einen industriellen Nutzen hat der Rohstoff allerdings kaum und so kommt es, dass ein großer Teil des jemals geschürften Goldes bis heute im Umlauf ist. Der hohe Preis des Edelmetalls ist somit nicht auf seine Seltenheit zurückzuführen, sondern darauf, dass die jährliche Produktion im Vergleich zum maximalen Bestand eher gering ist. Damit besteht eine Knappheit bei der Versorgung mit neuem Gold. Gleichzeitig hätten ein Produktionsausfall oder eine Überproduktion nur geringe Auswirkungen auf den Gesamtbestand, was für Stabilität und Sicherheit sorgt und das Edelmetall so besonders als Wertspeicher attraktiv werden lässt.

Dennoch sollte immer berücksichtigt werden, dass mit der bisherigen Goldförderung der sogenannte „Peak Gold“ bereits erreicht worden ist. Das bedeutet, dass Förderungen wie im Jahr 2019 mit 3,531,8 Fördertonnen Gold in Zukunft nicht mehr zu erreichen sein werden. Zurückzuführen ist diese Einschätzung darauf, dass die leicht zu erreichenden Goldvorkommen inzwischen zu einem großen Teil abgebaut worden sind – die Erschließung neuer Goldvorkommen bedeutet einen höheren Aufwand. Gleichzeitig nehmen die Entdeckungen neuer Goldvorkommen immer weiter ab und auch der Goldgehalt der Lagerstätten sinkt stetig – in den abgebauten Erzen befinden sich also geringere Goldmengen.

Silber

Silberbarren

Der World Silver Survey 2019 zufolge umfassen die weltweiten Silberbestände 79.000 Tonnen des Edelmetalls. Gefördert wurden im Jahr 2018 allerdings nur rund 26.900 Tonnen. In Anbetracht der jährlichen Fördermenge und der vorhandenen Silberbestände ergibt sich eine Stock-to-Flow-Ratio von knapp 3. Somit nehmen die Silberreserven jährlich um rund 34 Prozent zu.

Silber wird in noch größeren Mengen als Gold gefördert. Gleichzeitig sind die aktuellen Bestände allerdings deutlich geringer als die des Goldes. Zurückzuführen ist diese Tatsache darauf, dass Silber 33-mal häufiger von der Industrie nachgefragt wird, als Gold. Im Jahr 2010 wurden für die Elektronik 6.385 Tonnen, für Hartlegierungen 1.437 Tonnen und für Katalysatoren 1.391 Tonnen Silber nachgefragt. Daneben gibt es noch zahlreiche andere Industriezweige, in denen der Rohstoff zwangsläufig benötigt wird. Hinzu kommt, dass die Industrienachfrage nach Silber zwischen 1990 und 2011 im Durchschnitt um 2,7 Prozent pro Jahr anstieg – ein Trend, der auch in den darauffolgenden Jahren weiter fortgesetzt wurde. Eine Knappheit bei der Versorgung mit neuem Silber besteht angesichts des hohen jährlichen Verbrauchs zwar ebenso wie beim Gold. Allerdings können gerade Produktionsausfälle starke Auswirkungen auf den Gesamtbestand des Silbers haben.

Platin

Hohes Interesse für Platin bei den Anlegern

Der aktuelle, überirdische Platinbestand liegt bei rund 86 Tonnen. Gefördert wurden im Jahr 2019 rund 229 Tonnen des Edelmetalls. So ergibt sich eine Stock-to-Flow-Ratio von gerade einmal 0,4 und eine Zunahme von 266,7 Prozent pro Jahr.

Angesichts der jährlichen Fördermenge, die im Jahr 2018 sogar noch bei 180 Tonnen lag, ist Platin im Vergleich zu Gold oder Silber ein sehr seltenes Edelmetall. Der Wert der Stock-to-Flow-Ratio ist dennoch sehr gering, da die Fördermenge pro Jahr deutlich höher ist, als die überirdisch vorhandenen Reserven. Zurückzuführen ist die hohe Fördermenge bei einem gleichzeitig sehr geringen Bestand darauf, dass Platin in vielen Industriezweigen unverzichtbar ist. Ein großer Teil der jährlichen Nachfrage ist auf die Automobilbranche zurückzuführen, die das Edelmetall vor allem für den Bau von Abgaskatalysatoren benötigt. Allein im Jahr 2014 lag die weltweite Platinnachfrage bei 226,6 Tonnen – also deutlich höher, als die jährliche Fördermenge. Die Folge ist ein über die Jahre immer knapper werdender Platinbestand.

Palladium

Palladium

Der aktuelle Lagerbestand von Palladium liegt bei 244 Tonnen. Jährlich werden rund 215 Tonnen Palladium gefördert. Angesichts dieser beiden Werte ergibt sich eine Stock-to-Flow-Ratio von 1 und eine Zunahme von 88,1 Prozent pro Jahr.

Obwohl Palladium scheinbar ebenso selten wie Platin ist, steigt sein Wert in den letzten Jahren rasant an. Eingesetzt wird der Rohstoff ebenfalls in der Abgasreinigung von Benzinmotoren. Allerdings ist Palladium ein nicht ganz so starker Katalysator wie Platin und so werden meist größere Mengen an Palladium benötigt, um dieselbe Wirkung wie das Platin bei der Abgasreinigung zu erzielen. Dies ist ein Grund für die Preissteigerung des Palladiums. Hinzu kommt aber, dass die Automobilbranche die Katalysator-Technik in Benzinmotoren vor Jahren auf Palladium umgestellt hat und der Bedarf damit nochmals deutlich angestiegen ist. Insgesamt macht die Automobilbranche rund 80 Prozent der weltweiten Nachfrage nach Palladium aus. Ein Umstieg der Autoindustrie von Benzinmotoren auf die vermeintlich klimafreundlichere Elektromobilität könnte die Nachfrage nach Palladium schnell sinken lassen – das würde letztlich auch den Wert des Edelmetalls beeinflussen.

Inflationssicherheit anhand der Stock-to-Flow-Ratio erkennen

Die Stock-to-Flow-Ratio gibt Auskunft darüber, wie groß die jährlich geförderte Menge im Verhältnis zu der bestehenden Menge eines Rohstoffes ist. Daraus resultierend gibt sie aber auch Auskunft darüber, welche Auswirkungen Produktionsveränderungen auf den Preis des Rohstoffs haben können. Gold, das zwar in großem Stil gefördert wird, aber in noch weit größeren Beständen bereits vorhanden ist, zeichnet sich durch eine sehr hohe Stock-to-Flow-Ratio aus. Die Gefahr, dass Produktionsveränderungen starke Preisauswirkungen mit sich bringen, ist daher sehr gering. Bei Anlegern schafft diese Tatsache Vertrauen – so wird Gold gerne als Wertspeicher genutzt und unterliegt einer höheren Inflationssicherheit. Bei Silber, Platin und Palladium sieht das ganz anders aus. Alle drei Edelmetalle verfügen über eine sehr geringe Stock-to-Flow-Ratio. Produktionsveränderungen sowie Veränderungen in der Nachfrage können hier starke Auswirkungen auf den Preis haben, wodurch sich auch die Inflationsgefahr erhöht.