Faires Gold: Wie sozial und nachhaltig kann Gold sein?

Gold Nuggets

Wer nachhaltig investieren möchte, legt sein Geld in Gold an. Doch wie nachhaltig ist das wertvolle Edelmetall eigentlich aus umwelttechnischer Sicht? Tatsache ist, dass viele Goldminen entgegen der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen arbeiten und damit nicht nur der Umwelt schaden, sondern auch den Menschen, die im direkten Kontakt zu den Goldminen stehen. Dennoch spielen ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit für viele Anleger kaum eine Rolle, wenn es darum geht, in Gold zu investieren.

Soziale und ökologische Probleme

Gold ist und bleibt auch in Zukunft nur beschränkt verfügbar. Einen vollständigen Wertverlust des Goldes können Anleger daher immer ausschließen und so gilt das Edelmetall als eine der sichersten Wertanlagen. Die sozialen und ökologischen Probleme, die das Gold so mit sich bringt und über die von Anlegern gerne einmal hinweggesehen wird, beginnen bereits bei der Goldgewinnung. Schädliche Gifte, Kinderarbeit und Kriegsfinanzierung sind hier nur ein paar Schlagworte, die beschreiben, mit welchem Leid für Umwelt und Mensch die Förderung von Gold einhergehen kann.

Goldförderung mit giftigen Chemikalien

In 1.000 Tonnen Gestein lassen sich nur vier Gramm Gold finden. In besonders ergiebigen Lagerstätten sind es mitunter ein paar Gramm mehr. Damit das Gold allerdings aus dem Gestein herausgelöst werden kann, bedarf es teils hochgiftiger Chemikalien – darunter Quecksilber und Zyanid. Diese gelangen über den Boden nicht selten in Flüsse oder Seen und bringen die Trinkwasserversorgung ganzer Regionen in Gefahr. Allein in den Amazons fließen Schätzungen zufolge rund 100 Tonnen Quecksilber – und das jedes Jahr. Inzwischen sind dem WWF zufolge durch die in der Goldgewinnung eingesetzten Chemikalien mindestens 1,5 Millionen Menschen am Amazons gesundheitlich gefährdet.

Der Einsatz giftiger Chemikalien beschränkt sich allerdings nicht nur auf Goldminen in Ländern, in denen der Umweltschutz eher klein geschrieben wird. Auch in Goldminen in der Europäischen Union werden giftige Chemikalien immer wieder eingesetzt. So kam es beispielsweise im Jahr 2000 in Baia Mare in Rumänien zu einem Zyanidunfall, bei dem 120 Tonnen Zyanid infolge eines Dammbruchs eines der Auffangbecken in den Fluss Theiß gelangten. Die Folgen waren ein enormes Fischsterben, eine für mehrere Tage unterbrochene Trinkwasserversorgung in einigen ungarischen Städten sowie vergifteter Erdboden und vergiftetes Trinkwasser in dem am Damm gelegenen Dorf Bozânta Mare.

In Goldminen, in denen nicht nur der Umweltschutz, sondern auch die Sicherheit der Arbeiterinnen und Arbeiter nicht ausreichend beachtet werden, kommt es immer wieder auch dazu, dass die giftigen Dämpfe der Chemikalien entweichen und so zu Vergiftungen bei den dort arbeitenden und lebenden Menschen führen.

Ausbeutung der Menschen

Goldmine

Angesichts des derzeit hohen Goldpreises ist es kaum verständlich – aber doch verdienen viele Arbeiterinnen und Arbeiter in den Goldminen monatlich umgerechnet nur rund 30 Euro. Insgesamt machen die Löhne der arbeitenden Menschen nur einen minimalen Prozentsatz dessen aus, was das Gold kostet – höhere Löhne würden sich folglich nur geringfügig auf den Preis auswirken. Dennoch haben sich in den letzten Jahrzehnten weder die Löhne noch die Arbeitsbedingungen in den meisten Goldminen nennenswert verbessert.

Kinderarbeit in Goldminen

In Peru, Ecuador, Burkina Faso und einigen anderen Ländern der Welt ist Kinderarbeit lange nicht so verpönt oder gar strafbar, wie hierzulande. Viele Familien sind darauf angewiesen, dass auch die Jüngsten tagtäglich schwere Arbeiten verrichten – dazu zählt oft auch der Abbau von Gold. Zehntausende Kinder arbeiten in den Goldminen, in denen sie schwere Steine zerschlagen, Wasser schleppen oder hundert Meter tiefe Schächte graben und in diesen nach Edelmetallen suchen müssen. Die schweren Arbeitsbedingungen und ein meist nicht vorhandener Schutz der Arbeiter tragen dazu bei, dass es immer wieder zu schweren Unfällen kommt, bei denen auch Kinder verletzt oder gar getötet werden.

Landraub durch Minenkonzerne

In Äthiopien, Ghana und einigen anderen Ländern – vor allem aber in Entwicklungs- und Schwellenländern – ist es keine Seltenheit, dass große Bergbauunternehmen und Minenkonzerne indigene Einwohner, Fischer und Kleinbauern von ihrem Land, auf dem sich unterirdisch Goldvorkommen befinden, vertreiben. Betroffen ist hier nicht selten fruchtbares Ackerland. Die Folgen für die Menschen sind Hunger, Armut und daraus resultierende Gewalt.

Finanzierung von Konflikten

Einige der größten Goldvorkommen befinden sich in politisch unsicheren Ländern und Gebieten. Die Erlöse aus den Goldminen – also letztendlich das Geld, das Anleger hierzulande zahlen, um in Gold zu investieren – werden in solchen Krisen- und Kriegsgebieten nicht selten zur Finanzierung eben dieser Krisen und Kriege und etwa zum Kauf von Waffen verwendet. Die Lieferketten von aus Krisenregionen stammenden Rohstoffen wie Diamanten und Gold sollen deshalb gemäß einer EU-Verordung transparenter gemacht werden.

Kann Gold überhaupt fair und ökologisch sein?

Angesichts der vielen, teils enormen Probleme, die der Goldabbau mit sich bringt, ist es nur schwer vorstellbar, dass es möglich ist, in das Edelmetall zu investieren, ohne dabei die Ausbeutung von Menschen und die Zerstörung der Natur hinnehmen zu müssen. Tatsächlich gibt es aber Interessensverbände, die sich für den Abbau von fairem und ökologisch nachhaltigem Gold einsetzen – dazu zählen etwa das World Gold Council oder TransFair.

Conflict Free Gold Standard des World Gold Councils

Seit 2012 setzt sich das World Gold Council für bessere Arbeitsbedingungen und Löhne für die Minenarbeiterinnen und -arbeiter, für die Reduzierung des Einsatzes von Quecksilber in den Minen und für transparente sowie für nachprüfbare Lieferketten im Goldhandel ein. Diese Richtlinien für einen verantwortungsvollen Bergbau wurden einst von der OECD erarbeitet, die mit diesen vor allem lokal betriebene und kleine Goldminen in ihrer Arbeit fördern möchte. Dem daraus resultierenden Conflict Free Gold Standard (CFGS) des World Gold Councils folgen nach Angaben des Umweltbundesamtes bislang allerdings nur wenige Unternehmen, die gemeinsam für lediglich 23 Prozent der weltweiten Goldförderung Verantwortung tragen. Kleinbergbauunternehmen sowie Minenbetreiber, die keine Mitgliedschaft beim World Gold Council haben, setzen den Conflict Free Gold Standard bislang nicht um.

Fairtrade-Siegel von TransFair

TransFair ist bekannt für sein Fairtrade-Siegel, das viele bereits einmal auf der Verpackung von Kaffee oder Schokolade gesehen haben. Mit diesem Siegel werden unter anderem aber auch Schmuck und Goldbarren versehen. Damit das gelbe Edelmetall mit dem Fairtrade-Siegel ausgezeichnet wird, müssen die Goldminenbetreiber und Bergbaukooperativen Mindestpreise garantieren. Darüber hinaus dürfen in den Minen keine Kinder arbeiten und es müssen strenge Maßnahmen zum Schutz der Arbeiterinnen und Arbeiter sowie der Umwelt erfüllt werden. Ob die Vorgaben für das Fairtrade-Siegel eingehalten werden, wird vor Ort durch die Fair Trade Organisation Flocert kontrolliert – nicht nur direkt in den Minen, sondern über die gesamte Lieferkette hinweg.

Recyceltes Gold

Wer faires Gold kaufen, dabei aber nicht explizit auf Siegel oder die Einhaltung gewisser Standards achten möchte, ist meist mit recyceltem Gold gut beraten. Per Elektrolyse ist es möglich, Gold von anderen Stoffen zu trennen und auf einen Feingehalt von 999,9 zu raffinieren. Geschont wird dadurch nicht nur die Umwelt, indem weniger Energie und Ressourcen als beim Abbau in Goldminen benötigt werden. Auch sozial ist das recycelte Gold weitaus verträglicher. Natürlich wurde es zu einem früheren Zeitpunkt womöglich unter unmenschlichen Bedingungen abgebaut. Mit dem Kauf des recycelten Goldes werden diese Arbeitsweisen allerdings nicht mehr direkt unterstützt.

Im Zeitraum zwischen 1995 und 2016 lag der Anteil des recycelten Goldes am gesamten Goldangebot allerdings lediglich bei einem Drittel. In Anbetracht dessen, wie viel Gold jemals gefördert wurde, handelt es sich hierbei um eine extrem kleine Menge.