Der Goldpreis bleibt trotz Zwischentiefs stabil

Gold, Barren und Kursentwicklung

Gold galt seit jeher als sicherer Hafen in Krisenzeiten. Trotzdem kann nicht genug davor gewarnt werden, dass gerade Kleinsparer ihr gesamtes Barvermögen in Gold investieren. Wer Gold in der Not verkaufen muss, verkauft es fast immer mit Verlust, denn die Ankaufspreise sind deutlich niedriger als die Verkaufspreise. Selbst jetzt in Zeiten von Niedrigzins und Rezession ist der Goldpreis Schwankungen unterworfen.

So hat er erst kürzlich nach einem kurzen Zwischentief wieder die Marke von 2000 Dollar pro Feinunze, also für 31,1 Gramm, zurückerobert, um kurz danach wieder unter die Marke zu fallen. Der Grund für den insgesamt aber hohen Goldpreis ist das weiterhin sinkende Zinsniveau in den USA und der daraus resultierende schwache Dollar. Damit liegt der Goldpreis derzeit nur noch knapp unterhalb seines hohen Niveaus von Anfang August. Auch der Silberpreis war kurzzeitig eingebrochen, hat sich nun aber wieder erholt. Edelmetalle wie Gold und Silber profitieren von den sehr niedrigen Realzinsen in den USA. Nachdem die Renditen für US-amerikanische Staatsanleihen angestiegen waren und sich der Dollar zu erholen schien, war der Höhenflug von Gold und Silber kurz ausgebremst. Nun machen vor allem Großinvestoren wieder kräftige Gewinne.

Der Goldrausch setzt sich fast ungebremst fort

In Zeiten von Niedrig- bis Nullzins verliert Gold seinen entscheidenden Nachteil als Anlageprodukt, nämlich das es nur eine geringe oder auch keine Rendite abwirft. Denn das gilt für die meisten anderen Anlagen nun ebenfalls. Nach dem kurzen Zwischentief steigen jetzt viele Großanleger erneut ein und erwerben vor allem mit physischem Gold gedeckte Indexfonds. Der Goldrausch setzt sich also fast ungebremst fort. Eine Ahnung davon konnte jedermann auch hierzulande schon haben. Der Zustrom auf die Edelmetallhändler war im Frühjahr und im frühen Sommer so enorm, dass sich vor den Filialen Schlangen bildeten und die Händler die Wünsche ihrer Kunden nur noch teilweise bedienen konnten. Das hat sich zum Glück etwas gelegt, weil das Vertrauen in den Euro und die Hoffnung auf wirtschaftliche Erholung zumindest in Deutschland und einigen anderen europäischen Ländern wieder etwas zugenommen haben. Ein Ende der durch die Pandemie bedingten Krise ist jedoch auch bei uns nicht abzusehen und es werden in naher und fernerer Zukunft gewiss noch viele Schulden beglichen werden müssen, die jetzt gemacht wurden und demnächst noch gemacht werden.

Anteilscheine von SPDR Gold Trust sind gefragt

Bei den amerikanischen Profianlegern sind derzeit Anteilscheine von SPDR Gold Trust ganz besonders gefragt. Dieser weltweit größte Indexfond verwaltet insgesamt Edelmetalle von mehr als 1200 Tonnen. Experten halten es für durchaus möglich, dass der Goldpreis zum Ende des Jahres hin auf mehr als 2400 Dollar pro Feinunze ansteigen kann. Das wäre ein Wertzuwachs von etwa 20 Prozent, den sich natürlich kein Profianleger entgehen lassen will. Noch etwas ist besonders an dieser Zeit. Nicht nur der Goldpreis steigt, sondern auch Aktien verteuern sich nahezu im Gleichschritt. Normalerweise ist die Entwicklung von Gold und Aktien eher gegenläufig. Analysten sehen die Ursache hierfür darin, dass es für Investoren einen Mangel an Alternativen gibt und sie ihre Investments gleichzeitig mit dem Kauf von Gold absichern wollen. Selbst Börsengenies wie Warren Buffet bauen ihr Portfolio gründlich um und setzen auf Goldproduzenten wie die Barrick Gold Corporation, um von dem Boom am Edelmetallmarkt zu profitieren. Der Kopf des Konglomerats Berkshire Hathaway, Warren Buffet, verfügt über ein 200 Milliarden schweres Aktienportfolio. Derzeit trennt er sich zugunsten von Goldproduzenten von seinen Beteiligungen an Banken und an vier der größten amerikanischen Airlines in Höhe von mehreren Milliarden. An seinen äußerst lukrativen Beteiligungen bei Apple hält es jedoch eisern fest.

Goldpreis wird weiterhin Schwankungen zeigen

Gold und Chart

Der Goldpreis wird trotz allem auch weiterhin Schwankungen unterworfen sein, die Großinvestoren wie Warren Buffet vermutlich locker wegstecken. Jedes US-amerikanische Konjunkturprogramm wird für kurzzeitige Erholung des Dollars sorgen und den Goldpreis kurzfristig drücken können. Gerade jetzt wird Donald Trump vermutlich solche Konjunkturpakete vermehrt schnüren, um seine Wiederwahl zu befeuern. Ob es hilft, wird sich zeigen. Übrigens setzen auch immer mehr Staatsregierungen vermehrt auf Goldreserven. Durch den schwachen Dollar wird der Preis für das begehrte Edelmetall im Nicht-Dollarraum verbilligt und das ist nicht nur für Investoren ein Argument. Schon vor der Krise hatte etwa die deutsche Bundesbank Goldreserven von an die vier Milliarden Kilogramm in physischen Beständen. Deutschland gilt bereits seit Ende der 1960er Jahre als das Land mit den zweitgrößten Goldreserven der Welt nach den Vereinigten Staaten von Amerika. Die Reserven könnten von der Bundesbank in Zeiten einer massiven Währungskrise verkauft oder auch verpfändet werden.

Enorme Goldbestände für schlechte Zeiten

Die Goldbestände Deutschlands lagern übrigens nicht ausschließlich in Deutschland, sondern auch in den USA, in Großbritannien und in Frankreich. Über beträchtliche Goldreserven verfügen auch der Internationale Währungsfonds IWF und die Europäische Zentralbank sowie Länder wie Italien, Frankreich, Russland, China, die Schweiz und die Niederlande. Goldbestände für schlechte Zeiten hat jedoch nahezu jedes Land dieser Erde, und zwar nicht nur die als wohlhabend geltenden Staaten wie etwa Katar, Kuwait, Australien oder Finnland, sondern durchaus auch Länder wie Marokko, Indien und Afghanistan. Man könnte aus dieser Tatsache ein gewisses Misstrauen gegenüber den Weltwährungen postulieren. Und was für Staaten recht ist, ist für sparende Bürger nur billig. In Krisenzeiten mit ungewissem Ausgang und einer unsicheren Zukunft haben viele Angst um ihr Vermögen. Trotzdem sollte der Goldanteil laut Expertenrat den Anteil von zehn Prozent bei einem Gesamtportfolio nicht überschreiten. Wer also ein wenig Gold hat, sollte sich am besten beruhigt zurücklehnen und abwarten. Gerade hierzulande haben doch viele Menschen allen Grund, durchaus auch ein wenig optimistisch in die Zukunft zu blicken.

Gold, Barren und Kursentwicklung