Deutschland: Der wichtigste Absatzmarkt für Goldbarren und Anlegermünzen

Goldbarren und Anlegermünzen

Deutschland, ein im Vergleich zu China oder Indien kleines Land, hat sich im Laufe des Jahres 2020 zu einem der wichtigsten Absatzmärkte für Goldbarren und Anlegermünzen entwickelt. Dies geht aus einer Analyse des World Gold Councils (WGC) hervor – hier wird Deutschland immerhin eine wichtige Rolle im globalen Goldanlagemarkt zugestanden. Wie wichtig Deutschland als Absatzmarkt für Goldbarren und Anlagemünzen tatsächlich ist, erfahren Sie hier.

Interesse an Anlagegold steigt im dritten Quartal weltweit an

Anfang 2019 stellte das World Gold Council fest, dass die weltweite Nachfrage nach Goldmünzen und -barren im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr um ganze vier Prozent gestiegen ist. Einen großen Anteil an diesem Wachstum hatten zum damaligen Zeitpunkt vor allem die Zentralbanken.

Im Jahr der Corona-Krise, der US-Präsidentschaftswahl und dem Wirecard-Skandal sank vor allem die Nachfrage nach Goldschmuck. Grund dafür war vor allem die Corona-Pandemie, nicht nur wegen der Blockade der Märkte, sondern auch wegen der Einkommenseinbußen, die viele Menschen hinnehmen mussten. Gleichzeitig stiegen jedoch die Investitionen in goldgestützte ETFs. Dies trug dazu bei, dass der Goldpreis in vielen Währungen Rekordhöhen erreichte. Dieser starke Goldpreis trug letztendlich auch im dritten Quartal des Jahres 2020 dazu bei, dass die Nachfrage nach Goldschmuck 29 Prozent unter dem dritten Quartal 2019 lag.

Goldbarren und Münzen

Die Nachfrage nach Barren und Münzen, die in den ersten beiden Quartalen des Jahres 2020 im Vergleich zum Vorjahr ebenfalls gefallen waren, erlebte im dritten Quartal allerdings einen Aufschwung. Im Jahresvergleich stieg die Nachfrage mit 222,1 Tonnen um 49 Prozent. Investiert wurde weltweit vor allem in offizielle Münzen. Schließlich stellen diese vor allem in den westlichen Märkten sowie in der Türkei einen sicheren Hafen dar.

Obwohl der Goldpreis im Jahr 2020 seinen bislang höchsten Wert erzielen konnte, ist das Interesse an physischem Gold nicht unbedingt stark gestiegen. Gerade im Bereich des Goldschmucks mussten große Verluste im Vergleich zum Vorjahr verzeichnet werden. Im dritten Quartal des Jahres 2020 stieg allerdings die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen weltweit stark an – doch welche Rolle spielen dabei die deutschen Anleger?

Goldnachfrage in Deutschland im Jahr

Die weltweit deutlich gestiegene Nachfrage nach Goldbarren und Anlegermünzen im dritten Quartal 2020 kommt nicht von ungefähr. Einige Länder stechen im Bereich des WGC besonders hervor – darunter auch und vor allem Deutschland. Mit 32,3 Tonnen gehörte Deutschland im dritten Quartal nämlich – neben der Türkei, China und Indien – zu den größten Abnehmern. Die Nachfrage nach Anlagegold stieg verglichen mit dem Vorjahr in Deutschland um ganze 81 Prozent.

LandGoldnachfrageAnstieg
China57,8 t35 %
Türkei48,5 t600 %
Indien33,8 t51 %
Deutschland32,3 t81 %
USA19,2 t300 %
Schweiz10,2 t57 %
Großbritannien3,1 t28 %
Österreich2,4 t128 %
Japan2,3 t+- 0 %

In den ersten beiden Quartalen des Jahres 2020 hatten deutsche Anleger zusätzlich zu den bereits genannten 32,3 Tonnen im dritten Quartal dem World Gold Council zufolge bereits 83,5 Tonnen Goldbarren und -münzen gekauft. Im Vergleich zum ersten Halbjahr des Jahres 2019 war das ein Anstieg von 120 Prozent – so ist Deutschland zumindest im Jahr 2020 tatsächlich einer der wichtigsten Absatzmärkte, wenn es um Goldbarren und Anlegermünzen geht. Im ersten Halbjahr des Jahres 2020 galt Deutschland sogar als wichtigster Absatzmarkt – und das noch vor China. Chinesische Investoren hatten in den ersten beiden Quartalen nämlich lediglich in 81 Tonnen Gold investiert.

So viel Gold besitzen die Deutschen insgesamt

In einer repräsentativen Befragung von 2.000 Erwachsenen haben Forscher der Steinbeis-Hochschule in Berlin für die Reisebank im Jahr 2019 errechnet, wie viel Gold die Deutschen besitzen. Zum damaligen Zeitpunkt konnte ermittelt werden, dass Privatleute in Deutschland insgesamt 8.918 Tonnen des gelben Edelmetalls besitzen. Davon entfallen rund 4.000 Tonnen auf Schmuck und 4.918 Tonnen auf Goldbarren und -münzen. Zuzüglich der 3.370 Tonnen Gold, die die Bundesbank zum damaligen Zeitpunkt eingelagert hatte, befanden sich 6,5 Prozent der weltweiten Goldvorräte in deutschem Eigentum.

Im Rahmen der Befragung konnte außerdem festgestellt werden, dass 93 Prozent der Deutschen, die bereits Gold erworben haben, mit ihrem Investment zufrieden sind. Gut 80 Prozent der Befragten wollten das sich in ihrem Besitz befindliche Gold behalten und ebenfalls rund 80 Prozent planten, in Zukunft noch mehr Gold zu erwerben.

Während in der Befragung für das Jahr 2018 38 Prozent der Deutschen bereits Gold in Form von physischen Barren oder Münzen besaßen, kam das World Gold Council in seinen “Retail gold insights 2019 – A world of opportunity” zu dem Schluss, dass 41 Prozent der Deutschen bereits in Gold investiert hätten und 36 Prozent der Deutschen eine Goldinvestition zumindest in Erwägung ziehen würden. Lediglich 24 Prozent der deutschen Bevölkerung wolle keine Goldinvestitionen tätigen. Gründe für den Kauf von Gold seien unter anderen der Schutz gegen Inflation und Währungsschwankungen sowie der langfristig gesehen nicht vorhandene Wertverlust. Angesichts der großen Bereitschaft innerhalb der deutschen Bevölkerung, in Gold zu investieren sowie in Anbetracht der Gründe, die für die Goldinvestition genannt wurden, lässt sich so auch darauf schließen, warum Deutschland in der Krise zu einem der wichtigsten Absatzmärkte für Goldbarren und Anlegermünzen geworden ist.

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