Umschwung: Goldbarren wieder mehr gefragt als Gold-ETFs

Edelmetallbarren

Im vergangenen Jahr 2020 kamen Anleger kaum um Gold herum. Während der Kurs zu Beginn des Lockdowns in Deutschland zunächst rasant nach unten ging, erreichte er Mitte des Jahres sein bisheriges Allzeithoch von 2.063 US-Dollar. Obwohl anders zu erwarten, war das Hoch nicht auf den vermehrten Kauf von physischem Gold, sondern vor allem auf ein erhöhtes Investitionsvolumen in Gold-ETFs zurückzuführen. Inzwischen scheint sich dieser Trend jedoch umgekehrt zu haben. Immer mehr Anleger verkaufen ihre Anteile an den ETFs, während das Interesse an Goldbarren und -münzen erheblich steigt.

Der Trend 2020

In der ersten Jahreshälfte des Jahres 2020 ging die Gesamtnachfrage nach dem gelben Edelmetall um ganze sechs Prozent zurück. Goldgestützte ETFs verzeichneten in der ersten Jahreshälfte hingegen hohe Zuflüsse in einer Höhe von 734 Tonnen. Damit wurde selbst der Jahresrekord aus dem Jahr 2009 gebrochen, der bei 646 Tonnen lag. Insgesamt wurden durch die hohe Nachfrage nach Gold-ETFs die weltweiten Goldbestände auf 3.621 Tonnen erhöht. Dies hatte zur Folge, dass der Goldpreis bereits in der ersten Jahreshälfte um 17 Prozent anstieg.

Die Investitionen in physisches Gold gingen, wie bereits erwähnt, stark zurück. Die Zentralbanken etwa erwarben in der ersten Jahreshälfte rund 39 Prozent weniger Gold, als noch im Jahr 2019. Investitionen durch Anleger gingen um 17 Prozent zurück, was vor allem auf den asiatischen Markt zurückzuführen war. Aufgrund des Lockdowns und wegen der hohen Goldpreise brach zudem die Schmucknachfrage erheblich ein – in der ersten Jahreshälfte um ganze 46 Prozent. Im Bereich der Technologien verringerte sich die Nachfrage um 13 Prozent.

Der Trend 2021

Verglichen mit dem Vorjahresquartal ging die Goldnachfrage im ersten Quartal 2021 um 23 Prozent zurück. Zurückzuführen ist dieser Rückgang aber nicht etwa auf weiterhin gesunkenes Interesse an physischem Gold. Ganz im Gegenteil, denn tatsächlich sind es die ETFs, die zwischen Januar und März 2021 Abflüsse von 177,9 Tonnen zu verzeichnen hatten. Dies geht vor allem auf die gestiegenen Kapitalmarktzinsen in den USA zurück, aufgrund derer die institutionellen Anleger der Vereinigten Staaten ihre Anteile an Gold-ETFs abgestoßen beziehungsweise auf Goldbarren und -münzen umgeschichtet haben.

Im Bereich des physischen Goldes ging es in den ersten drei Monaten des Jahres 2021 folglich deutlich nach oben. Auch setzten Privatanleger im ersten Quartal wieder vermehrt auf Goldbarren und Goldmünzen. Sie kauften insgesamt 339,5 Tonnen, was einen gesteigerten Absatz um 36 Prozent bedeutet. Zurückzuführen ist diese Entwicklung vor allem auf den nun wieder günstigeren Goldpreis. Dem World Gold Council zufolge sei die treibende Kraft hinter der gestiegenen Nachfrage nach physischem Gold aber vor allem die Angst vor der Inflation. So war das erste Quartal des Jahres 2021 mit Blick auf die Nachfrage nach physischem Gold das stärkste Quartal seit 2016.

Dazu trägt unter anderem auch die Nachfrage nach Goldschmuck bei. Im Jahresvergleich ist die gehandelte Menge immerhin um 52 Prozent gestiegen. Die Nachfrage der Technologie-Branche ist im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ebenfalls um immerhin elf Prozent gestiegen. Zudem erweiterten die Notenbanken weltweit ihre Goldreserven in diesem Jahr im Schnitt um rund 95,5 Tonnen Gold.

Quellen:
World Gold Council – Gold Demand Trends Quartal 1 2020
World Gold Council – Gold Demand Trends Quartal 2 2020
World Gold Council – Gold Demand Trends Quartal 1 2021