World Gold Council: neue Standards für seriöse Goldhändler

Goldbarren und Charts

Gold gilt seit jeher als sicherer Hafen in Krisenzeiten – das hat sich auch während der Corona-Pandemie gezeigt. Es läge somit in der Natur der Sache, dass Anleger ein gewisses Vertrauen in Goldanlagen haben. Tatsächlich wurde dieses Vertrauen in den letzten Jahren jedoch mehrmals stark erschüttert. Grund dafür war nicht etwa das Gold selbst. Viel mehr haben diverse Marktteilnehmer, die durch unrealistische Renditeversprechen und Betrugsskandale aufgefallen waren, das Ansehen der sonst so beliebten Gold-Investments wiederholt geschädigt. Das World Gold Council möchte dieser Entwicklung nun entgegentreten und das Vertrauen in das sonst so beliebte Edelmetall stärken, indem es weltweite Standards für seriöse Goldhändler eingeführt hat.

World Gold Council

Jeder, der sich mit Gold-Investments auseinandersetzt, hat schon einmal vom World Gold Council (WGC) gehört. Bei der Organisation handelt es sich um den weltweiten Branchenverband der Goldindustrie, dessen Ziel es ist, die Goldnachfrage zu erhalten und zu stärken. Das World Gold Council hat seinen Sitz in London, verfügt zugleich aber auch über Büros an sechs weiteren Standorten. Gegründet wurde es 1987 von Goldbergbauunternehmen. Heute sind 28 dieser Unternehmen als Mitglieder des WGC gelistet, die nach eigenen Angaben im Jahr 2011 für rund 60 Prozent der weltweiten jährlichen Goldproduktion standen.

Die Lobby-Organisation fördert die Goldnachfrage vor allem in den Sektoren Schmuck, Technologie, privaten und institutionellen Investments sowie im öffentlichen Sektor, der Zentralbanken wie Regierungen umfasst.

Neue weltweite Standards – warum?

Goldbarren, Geldscheine und Münzen

Der Erhalt und die Stärkung der Goldnachfrage sind das Hauptziel des World Gold Councils. Um dies bewerkstelligen zu können, versucht die Organisation unter anderem auch, Kritikpunkte, wie sie immer wieder von NGOs und Medien genannt werden, zu beseitigen oder wenigstens zu verbessern. Zu diesen Kritikpunkten zählten in der Vergangenheit unter anderem:

  • die Umweltschäden, mit denen bei der Goldgewinnung zu rechnen ist
  • der Beitrag zur Finanzierung von Bürgerkriegen durch den Goldabbau in Krisenregionen
  • die Ausbeutung der Menschen in den Abbaugebieten
  • die willkürliche Landnahme in den Abbaugebieten

Folglich legt das World Gold Council bei seinen Mitgliedern gesteigerten Wert auf diverse Selbstverpflichtungen und Zertifizierungen. Im Rahmen der Initiative zur Nachhaltigkeit der Goldförderung etwa, werden die Mitgliedsunternehmen dazu aufgefordert, die Umweltauswirkungen der Goldförderung zu minimieren und sich dem sogenannten “International Cyanide Management Code” zu verpflichten. Um zu verhindern, dass die Erlöse aus der Goldförderung der Finanzierung von Gewalt und Bürgerkriegen dienen, soll neues Gold aus Risikogebieten als “konfliktfreies Gold” ausgezeichnet werden. Dies ist nur möglich, wenn der Abbau des Goldes bis hin zum Raffinerieprozess lückenlos dokumentiert und zertifiziert und damit in Erfahrung gebracht werden kann, unter welchen Bedingungen das Gold tatsächlich abgebaut worden ist.

Infolge der zahlreichen Betrugsskandale der letzten Jahre, gerade im Bereich der Goldhändler, die das Vertrauen in den Goldmarkt nachhaltig geschwächt und zahlreichen Anlegern jede Menge Geld gekostet haben, hat das World Gold Council nun beschlossen, weltweite Standards für Goldhändler einzuführen. Mit diesen sollen Skandale, wie jüngst den um den Edelmetallhändler Pim Gold, bekämpfen und verhindern.

Die Standards, die laut dem WGC ein Höchstmaß an Transparenz, Fairness und Integrität auf dem gesamten Markt sicherstellen sollen, beziehen sich ausdrücklich auf Goldanlage-Produkte wie Barren, Münzen und börsennotierte, physisch besicherte Goldprodukte sowie auf Schmuck, Sammlermünzen und Sammlergegenstände aus Gold.

Die Annahme und die Umsetzung der Retail Gold Investment Principles (RGIPs), um die der bereits bestehende Investoren-Leitfaden “Retail Gold Investement Investor Guidance” des World Gold Councils ergänzt wurde, ist für Goldhändler bislang freiwillig. Dennoch setzen sich sowohl Investoren, als auch die Mitglieder des Councils schon jetzt für eine großflächige Umsetzung dieser Prinzipien ein. So hat etwa die BayernLB eine Prüfung ihrer Geschäftsbeziehungen zu all jenen Unternehmen angekündigt, die sich der
Selbstverpflichtung nicht anschließen.

Die sieben Punkte der Retail Gold Investment Principles (RGIPs)

  1. Fairness und Integrität
  2. Transparenz
  3. Kundenvermögen schützen
  4. Goldankauf rein aus verantwortungsvollen Quellen
  5. Einhaltung gesetzlicher Vorschriften
  6. Umsichtige Geschäftsführung
  7. Professionalität